#Mutausbruch (Teil I)

Als im Dezember 2014 mein erster Roman erschien, war ich Feuer und Flamme. Seit Jahren hatte ich den Traum, endlich eine meiner Geschichten in den Händen zu halten. Ich hatte die naive Vorstellung, dass es leicht wäre, Autorin zu sein. Ein bisschen schreiben, ein bisschen veröffentlichen, Bücher signieren und verschicken.

 

Knapp vier Jahre später weiß ich es besser.

 

Denn wenn eines noch wichtiger ist, als die genannten Dinge, dann ist es die Nähe zu seinen Lesern.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr ruhiger und zurückhaltender Mensch bin. Ich gehe nicht gern auf Leute zu, stehe ungern im Mittelpunkt und verstecke mich seit vier Jahren mit Vorliebe hinter einer meterhohen Mauer, die aus meinen Büchern gebaut habe.

 

Ich habe noch nie diese »Hallo, hier bin ich«-Mentalität besessen. 

 

Als ich im März dieses Jahres spontan die Leipziger Buchmesser besucht habe, wurde mir erst richtig bewusst, wie sehr mir das im Weg steht. Ich bin durch die Gänge gehuscht, dabei war ich so stolz, dass zwei meiner Bücher an einem der Stände ausgestellt waren. Ich habe gestrahlt und mich im Vorfeld so gefreut, doch als ich dort war und der Stand immer näher kam, baute mir meine eigenen Schüchternheit eine unüberwindbare Hürde. Zu dem Stand zu gehen, zu sagen: »Hey, hier bin ich, wie geht es euch? Lasst uns doch ein Bild machen.«, absolut unmöglich. Den Mut für eine Lesung aufbringen, in dieser Sekunde ausgeschlossen.

 

Ich wollte nur noch nach Hause.

 

In den letzten Monaten habe ich immer wieder darüber nachgedacht. Ich habe mir verschiedene Fragen gestellt: 

Wie sehen dich deine Leser, deine Kollegen, all die Menschen, mit denen du bisher zu tun hattest? Sehen sie dich überhaupt oder bist du gar nicht aufgefallen? 

Und wer leidet darunter? Nicht hauptsächlich die Leser, sondern vor allem man selbst. Ich hasste es, so feige zu sein, fragte mich, ob ich jemals aus mir herausgehen könnte.

 

Es ist okay, schüchtern zu sein.

 

Das musste ich erst lernen. Genauso wie ich erst verstehen musste, dass meine Schüchternheit eine Chance ist. Eine Chance, über mich selbst hinauszuwachsen und mir und anderen zu beweisen, was noch in mir steckt. Eine Chance, aus sich herauszugehen, offen zu sein, sich nicht mehr zu verstecken.

 

Ich bin bereit für einen Mutausbruch!

 

 

#Mutausbruch ist ein kleiner Selbstversuch für mich. Raus aus dem Schneckenhaus, das Einstürzen der meterhohen Büchermauer und das Autorinsein, was ich so sehr liebe, endlich genießen. 

 

Im zweiten Teil geht es um Social Media Marketing und darum, wie auch das zu einer Hürde wurde.

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